Trainingsraum-Konzept

 

  1. Begründung des Konzepts

 Wo Menschen miteinander leben und lernen, gelten bestimmte Regeln, die sicherstellen, dass die Rechte jedes Einzelnen gewahrt werden.

 

In der Schule gelten folgende vier Hauptregeln:

  1. Jeder Schüler/ jede Schülerin hat das Recht störungsfrei zu lernen!

  2. Jeder Lehrer/ jede Lehrerin hat das Recht, ungestört zu unterrichten!

  3. Mädchen und Jungen haben gleiche Rechte und Pflichten!

  4. Jede/r muss die Rechte der anderen respektieren!

Was diese Regeln konkret für unsere Schule bedeuten ist in den Klassenregeln festgelegt.

Es gibt viele Schülerinnen und Schüler, die sich an diese Regeln halten, jedoch auch andere, die sich darüber hinwegsetzen und durch Störungen den Unterricht unterbrechen und so die Rechte der anderen Beteiligten verletzen.

 In der Vergangenheit haben wir Lehrer viele Mittel ausprobiert, um diese Störungen zu ahnden und zu unterbinden. Bei langwierigen Diskussionen mit den betroffenen Schülern ging viel Zeit und Nervenkraft verloren. Der gewünschte Erfolg blieb jedoch aus.

 Psychologen fanden heraus, dass eine Verhaltensänderung nicht durch Druck von außen, sondern nur durch Einsicht erreicht werden kann.

 Das von Ed Ford in den USA entwickelte Programm des eigenverantwortlichen Denkens sieht vor, dass Schüler Verantwortung für ihr unangemessenes Verhalten im Unterricht übernehmen und durch Nachdenken selbstständig Lösungen entwickeln, wie sie dieses Verhalten in Zukunft ändern können.

 

2. Schritte des Programms

  1. Eine erste Störung erfolgt. Der Schüler bekommt bis zu 5 Fragen aus dem folgendem Fragenkatalog gestellt:

    Was tust du gerade?
    Welche Regel verletzt du?
    Was geschieht, wenn du gegen die Regel verstößt?
    Wofür entscheidest du dich?
    Was passiert, wenn du wieder störst?

    Die Antwort auf die letzte Frage heißt: „Dann entscheide ich mich für den Trainingsraum.“
    Der Schüler entscheidet nun selbst, ob er sich im weiteren Verlauf des Unterrichts an die Regeln hält oder ob er wieder stört.

  2. Eine zweite Störung erfolgt. Der Lehrer sagt ruhig: „Du hast dich entschieden in den Trainingsraum zu gehen.“ Er füllt einen Laufzettel aus, auf dem die Störung und die Uhrzeit genau vermerkt ist. Er vermerkt auf dem Laufzettel einen möglichen Rücksprachetermin. Mit diesem Zettel geht der Schüler in den Trainingsraum.

  3. Ankunft im Trainingsraum. Der Schüler wird von dem anwesenden Lehrer begrüßt und wenn er bereit dazu ist, hilft ihm der Trainingsraumlehrer in einem Frage – Antwort- Gespräch eine gute Lösung zu finden.

  4. Danach bekommt er ein Formular – Mein Plan“, nach dem er seinen Plan ausarbeitet. Er reflektiert schriftlich sein Verhalten im Unterricht und überlegt sich, was er besser machen kann, damit das Verhalten nicht noch einmal vorkommt.

  5. Ist der Plan zur Zufriedenheit des Trainingsraumlehrers geschrieben, geht der Schüler in den Unterricht zurück. Der Trainingsraumlehrer bespricht die Rückkehr in die Klasse mit dem Schüler. Der Schüler soll anklopfen und den Lehrer höflich um die Besprechung seines Plans bitten. Bis der Lehrer dazu bereit ist, wartet der Schüler vor der Tür.

  6. Wenn der Schüler mit der Anfertigung seines Plans nicht in derselben Stunde fertig wird, hat er den entsprechenden Lehrer zu einem Rücksprachetermin, der auf dem Laufzettel vermerkt wurde, aufzusuchen. Bis zu diesem Rücksprachetermin nimmt der Schüler probeweise am regulären Unterricht teil.

  7. Wenn der Lehrer mit dem Plan einverstanden ist, kann der Schüler wieder am Unterricht teilnehmen. Ansonsten muss er in den Trainingsraum zurückgehen und seinen Plan noch einmal überarbeiten.

  8. Selbstverständlich ist, dass der Schüler, der sich für den Trainingsraum entschieden hat, den versäumten Stoff der Stunde sowie die Hausaufgaben selbstständig nacharbeitet.

Der Trainingsraum ist den ganzen Unterrichtsvormittag durch speziell ausgebildete Trainingsraumbetreuer (ehrenamtliche Mitarbeiter, Sozialarbeiter und Lehrer) besetzt.

 

Im Trainingsraum gelten strenge Regeln. Hält sich ein Schüler nicht an diese Regeln, bekommt er dieselben Fragen gestellt wie in der Klasse. Bei der zweiten Störung wird er sofort nach einer telefonischen Information der Eltern mit einem Brief nach Hause geschickt und darf erst wieder zur Schule kommen, wenn er zusammen mit seinen Eltern und den beteiligten Lehrern ein Gespräch geführt hat.

Nach dem 4. Trainingsraum – Aufenthalt erfolgt in jedem Fall ein Gespräch zwischen Schüler, Eltern, Sozialpädagoge und Schulleitung. Weitere Maßnahme nach einem 5. Aufenthalt im Trainingsraum ist das Earn - all Verfahren. Dabei bleibt der Schüler am Tag der Störung und den ganzen Folgetag im Trainingsraum und bearbeitet von den jeweiligen Fachlehrern gestellte Aufgaben. Der Klassenlehrer und die Fachlehrer werden durch einen entsprechenden Aushang im Lehrerzimmer über das Verfahren informiert und stellen Aufgaben und Arbeitsaufträge bereit.

Nach dem 6. Aufenthalt im Trainingsraum: wird wie beim 5. Aufenthalt verfahren, der Schüler bleibt jedoch zwei Folgetage im Trainingsraum.

Ab dem 7. Aufenthalt im Trainingsraum:

Der Schüler wird in den Trainingsraum geschickt, sein Laufzettel wird dort registriert und er muss anschließend zur Schulleitung. Diese kann mit ihm ein Elterngespräch vereinbaren und den Schüler bis zu diesem Termin vom Unterricht ausschließen. Die Schule kann auf weiteres Fehlverhalten nur noch mit den laut Schulgesetz bestehenden Ordnungsmaßnahmen reagieren.

Erweiterung des Konzeptes:

Gelingt es einem Schüler den Unterricht zwischen zwei Ferien störungsfrei, also ohne Besuch im Trainingsraum zu besuchen, erhält er nach den Ferien eine Urkunde zur Belohnung für sein positives Verhalten. Diese Urkunde reduziert die fortlaufende Anzahl seiner Besuche um einen Besuch.

 
 

3. Vorteile des Konzepts

  1. Auf jede Unterrichtsstörung wird kurz und nach einem eingeübten Ritual reagiert.
    Aufregungen auf beiden Seiten werden größtenteils vermieden, der Unterricht kann nach relativ kurzer Zeit fortgesetzt werden.

  2. Die Arbeitsatmosphäre verbessert sich sichtlich. (Erfahrungen der Schulen, die bereits nach dem Konzept arbeiten)

  3. Das Programm schützt Schüler, die sich an die Regeln halten und sich unauffällig benehmen.

  4. Die Schüler haben es selbst in der Hand, ob sie gehen oder bleiben. So lernen sie Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.

  5. Es wird nur ihr eigens Tun verhandelt, nicht das der Mitschüler. Das Augenmerk richtet sich auf ihre eigene Verantwortung.

  6. Eine Verhaltensänderung wird nicht durch Druck von außen, sondern durch Einsicht in das eigene Handeln und eigene Überlegungen angeregt.

  7. Der Trainingsraumlehrer berät, er fällt keine Entscheidungen und bietet keine Lösungen an.